EVANGELISCHE ZEITUNG
   



| roman |  „treibsand“  –  der nordsee-krimi von christian uecker

Ein sehr „krimineller“ Pastor

Die „Evangelische“ veröffentlicht ab Juli 2004 sein spannendes Buch

klein wesenberg – „Pastor und Krimi-Autor – geht das?“, werden sich viele fragen. Offensichtlich ganz gut, denn Christian Uecker bringt beides nicht nur seit etlichen Jahren unter einen Hut (richtiger, siehe Foto, unter eine Mütze), sondern es gibt weitere Berufsgefährten, die ebenfalls mit Mord zu tun haben – schriftstellerisch natürlich.
     Ueckers erster Mord geschah in der Kirche oder richtiger: war geschehen. Denn der Küster fand, im Orgelgehäuse verborgen, eine Leiche und der Pastor, Frank Falke, begann seine Detektiv-Arbeit. Die Folge war, logisch für den, der sich im Krimi(nellen)-Milieu auskennt, ein weiterer Mord.
     Anlass für den ersten Kriminalroman war die dringend notwendige Restaurierung der Orgel in seiner Kirche, für die natürlich längst nicht genug Geld zur Verfügung stand. Da er, wie er selber sagt, nicht besonders gut darin ist, Spenden einzutreiben, hat er also einen Benefiz-Krimi geschrieben, denn damit konnte er für das Nehmen etwas Zurückgeben.
     Das war sein erster offizieller Kriminalroman. Als Geburtstagsgeschenk für seine Schwägerin, die sich einen längst vergriffenen Krimiautor gewünscht hatte, schrieb er zuvor kurzerhand selber einen. Er wurde nie veröffentlicht, aber Uecker war auf den Geschmack gekommen. Seit „Wenn der Tod tanzt“ ist Pastor Falke sein Hercule Poirot oder Sherlock Holmes. Dass es ein Pastor ist, der die Fälle aufdeckt, dass diese im kirchlichen Milieu spielen liegt daran, dass Uecker nur über das schreiben will, was er kennt. Das macht auch die Dichte des Milieus in seinen Romanen aus. War zunächst Klein Hasenberg (Klein Wesenberg dahinter zu vermuten wird nicht gerade schwer gemacht) die kriminelle Welt, weitete sich inzwischen der Kreis bis hin zum Deutschen Evangelischen Kirchentag („Gut, besser, tot“) und nun spielt das Ganze in „Treibsand“ auf Amrum.
     Hierhin begleitet Pastor Falke das kirchliche Milieu, indem er an einem Pastoren-Konvent teilnimmt. Gleichzeitig lernt er eine ähnliche Gemeinschaft, den „Club der Autoren“, kennen. Christian Uecker ist Norddeutscher. Geboren wurde er 1956 in Rostock. Vier Jahre später glückte seinen Eltern die Flucht mit ihm nach Westberlin. Von dort gelangte er über ein Flüchtlingsauffanglager in Hamburg nach Neumünster, wo er die Jugendzeit bis zum Abitur verbrachte. Das Theologiestudium absolvierte er in Bethel, Kiel, München und Hamburg.
     Bevor er sein Vikariat in Eckernförde (das er neben Hamburg als seine Lieblingsstadt bezeichnet) antrat, wirkte er zwei Jahre in der „Dritten Welt“, gewissermaßen auf eigene Rechnung. Seine erste Pfarrstelle war in Groß Grönau und seit 1987 ist er Gemeindepastor in Klein Wesenberg und Hamberge. Da lernte er schon früh, was heute fast zur Regel wird, Pastor für zwei Gemeinden zu sein.
     Außer Krimis verfasst Uecker auch Kurzgeschichten aller Art und arbeitet gelegentlich für das Studio Hamburg. Für den Film „Eine Frage des Glaubens“ lieferte er zusamen mit Jacqueline Tillmann die Idee.
     Uecker gelingt es in seinen Romanen, das Milieu der kleinen Gemeinde oder des Berufsstandes, seines oder wie in „Treibsand“ dem der Hobby-Schriftsteller, echt und dicht zu schildern. Nicht der Kriminalfall und dessen Aufklärung wecken allein das Interesse. Der Leser ist interessiert an dem Verhalten der Personen, entdeckt immer wieder Parallelen zu Menschen seiner Umgebung und zu sich selbst.
     In „Treibsand“ ist nicht der Mörder oder die Mörderin die interessanteste Person. Das Aufeinandertreffen von sehr verschiedenen Charakteren, ihr verändertes Verhalten sobald sie in Gemeinschaft sind, machen den Reiz aus. Wie echt seine Personen sind, verrät der Autor nicht. Aber er dürfte so manches Vorbild aus seiner nächsten Umgebung „frei“ (nach)erfunden haben.

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