• 1. März 2004
  • Ausgabe 14/2005
  • von Marc Sgonina

Klöster in Nordelbien:
Auf Spurensuche in alten Klöstern

Kiel – Klöster gehören zu Nordelbien wie die Nordsee oder die hohe Geest. Die ersten Bauten wurden bereits im 13. Jahrhundert errichtet und spielten jahrhundertelang eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung von Deutschlands Norden. Im Zusammenhang mit der Lutherischen Reformation wurden viele Klöster aufgehoben oder umgewidmet. Doch ganz verschwunden sind sie nicht. INTERNET_1.JPGGrund genug für DIE NORDELBISCHE, sich gemeinsam mit dem Historischen Seminar der Universität Kiel auf die Suche nach den bedeutendsten Zeugnissen klösterlichen Lebens in Nordelbien zu machen.

Im Sommersemester 2004 haben sich in dem Projekt „Auf den Punkt gebracht – journalistische Schreibwerkstatt für Historiker“ über 20 Studenten unter der Leitung von Privatdozent Dr. Thomas Hill mit neun Klöstern in Nordelbien befasst. Tatkräftig unterstützt wurden die „Journalisten“ von Jan Steffen, Redakteur beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag und von Dr. Sterba, der zahlreiche Bilder der historischen Gemäuer beisteuerte.

Anfang des 12. Jahrhunderts wurden die ersten Klöster nördlich der Elbe erbaut. Zwischen Hamburg und Lübeck bis hoch zur Königsau gab es bis zu 50 verschiedene Klöster. Doch war zu jener Zeit das Klosterwesen schon nahezu tausend Jahre alt. Denn zu Beginn des 4. Jahrhunderts entstand die neue Lebensform des christlichen Mönchtums, das bis heute geprägt wird durch: Askese, Armut und Abkehr von der Welt. Das Wort „Mönch“ leitet sich aus dem griechischen „monachos“ ab und bedeutet „der, der allein oder einzigartig lebt“.

Im 9. Jahrhundert wurde unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen die Regel Benedikts von Nursia (gestorben um 560) die allein gültige. Nach diesen harten Grundsätzen sollten sich die Mönche und Nonnen „von allen weltlichen Angelegenheiten fern halten“ und gemeinschaftlich beten und arbeiten („Ora et labora“). Im 9. Jahrhundert entstand auch der ideale Klosterplan, nach dem St. Gallener Kloster. Im Zentrum einer jeder Klosteranlage steht die Kirche mit dem Kreuzgang und den Wohngebäuden. Bis heute ist fast jedes Kloster nach diesem Plan gestaltet.

Klöster in NordelbienIm noch dünn besiedelten und kirchenarmen Holstein entstanden die ersten Klöster. Hier lebten die Mönche gefährlich, da die Konvente vor allem zur Mission der slawischen Heiden und als Vorposten der Kolonisierung gegründet wurden.

Doch nicht immer war es den Mönchen und Nonnen möglich, völlig abgeschieden von der Welt zu leben. Einerseits waren die Klöster zumeist adlige Gründungen, und so forderten die Fürsten Gegenleistungen, andererseits wünschten Laien immer wieder ein Grab innerhalb des Klosters und ließen dort für ihr Seelenheil beten. Außerdem mussten Klöster unverheiratete Töchter aufnehmen und sogar Truppen für den König stellen. Aus diesem Grund kam es zu wiederholten Reformen innerhalb der Konvente. Insbesondere durch die Cluniazenser im 10. Jahrhundert und die Zisterzienser im 12. Jahrhundert, die sich von dem nach weltlicher Macht strebenden, althergebrachten Klosterwesen absetzten, um sich auf die Ursprünge der Mönchslehre zu besinnen.

Die Augustiner-Chorherren gingen ebenfalls aus dieser Kirchenreform hervor, folgten aber der Regel des Heiligen Augustinus, die um 390 niedergeschrieben wurde und das Vorbild für die Benediktinerregel war. Einen anderen Weg gingen die Bettelorden. Sie wollten nur von Almosen leben und nicht mehr abgeschieden in einsamen Klöstern dem Beten nachgehen, sondern das Wort Gottes unter den Menschen predigen. Die wichtigsten Ordensstifter waren Dominikus von Guzmann und Franz von Assissi, zu deren Namen und Lehren sich die Dominikaner und Franziskaner bekennen.

Wie kamen diese Mönche aber nun nach Nordelbien? Ganz einfach: Die fürstlichen Landesherren holten sie. Der wichtigste Klostergründer war wohl Graf Adolf IV. von Holstein, der besonders die Zisterzienser unterstützte. Und dieser Graf sollte selbst ein Ordensbruder werden.

Vor der Schlacht bei Bornhöved von 1227, bei der Adolf IV. gegen den dänischen König Waldemar II. zu Felde zog, soll er einen folgenschweren Schwur geleistet haben: Sollte sein Heer gewinnen, so würde er selbst das Mönchsgelübde ablegen.

Und so geschah es. Waldemar II. wurde besiegt und Adolf IV. trat 1239 in den Franziskanerorden ein. Dies war der Abschluss einer langen Tätigkeit für die Mönchsorden, durch die das nordelbische Gebiet näher an die restliche christliche Welt gerückt wurde – das spätere Schleswig-Holstein wurde sozusagen europäisiert.
Während des 12. und 13. Jahrhunderts gab es einen regelrechten Ansturm von Frauen auf die Klöster, für die das Leben als Nonne eine Alternative zu einem Leben als Ehefrau oder Dienstmagd darstellte. Neben diesen emanzipatorischen Zügen, waren es jedoch vor allem religiöse Gründe, die den Frauen das Klosterleben reizvoll machten.

Die Zeit der Reformation markiert den Anfang vom Ende der schleswig-holsteinischen Klöster, denn nach den Lehren Martin Luthers (1483-1546) gab es für die asketische Lebensweise keinen Grund mehr. Lediglich vier Frauenklöster blieben bis heute bestehen: Die Benediktinerklöster in Schleswig und Preetz, sowie die Zisterzienserinnenkonvente in Itzehoe und Uetersen wurden in adelige Damenstifte der schleswig-holsteinischen Ritterschaft umgewandelt.

1951 wurde wieder ein Kloster in Schleswig-Holstein gegründet, das katholische Benediktinerkloster in Nütschau.

Ob noch in Betrieb, oder schon stillgelegt, zu sehen gibt es in den Klöstern Schleswig-Holsteins allemal etwas. Warum sich ein Besuch des einen, oder anderen Klosters lohnt, zeigt die folgende Serie.

                                          Folge 1:   Bordesholm – Die Mönche vom See.

                                          Folge 2:   Der Exodus nach Cismar

                                          Folge 3:   Itzehoe – Von Rittern, Nonnen und Prinzessinnen.

                                          Folge 4:   Kiel – Von der Kutte in die Rüstung.

                                          Folge 5:   Lübeck – Maria Magdalena sei gepriesen.

                                          Folge 6:   Lügumkloster – Der Ort Gottes.

                                          Folge 7:   Preetz – Hier warteten Damen auf den Bräutigam.

                                          Folge 8:   Schleswig – Gib Johannes einen Kuss!

                                          Folge 9:   Uetersen – Zu Gast bei Goethes Gustchen.